Ordo Fratrum Minorum Capuccinorum

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updated 3:57 PM CET, Dec 10, 2019

Brüderlichkeit erwandern

Am 21. Juli 2019 versammelten sich 10 Junioren aus Frankreich, Irland, Großbritannien, Österreich, Deutschland und der Schweiz in Altötting in Bayern für das dritte jährliche Ausbildungstreffen der CENOC-Provinzen. Schon in den vorherigen Jahren hatten sich diese Provinzen, zusammen mit einem Junior aus Malta, im Heiligen Land und in Assisi getroffen und gute Ausbildungserfahrungen miteinander gemacht.

Zu Fuß unterwegs mit dem Hl. Konrad von Parzham

Wir kamen an einem sonnig-heißen Sonntag an und erfuhren ein herzliches Willkommen bei den Brüdern des Konvents von St. Magdalena. Die berühmte bayerische Gastfreundlichkeit war die ideale Vorbereitung für unsere brüderliche Wallfahrt.

Der heilige Konrad verbrachte vor seinem Ordenseintritt viele Stunden auf Wanderungen rund um Parzham, verbunden mit Besuchen in Kirchen und Kapellen, oft zur Teilnahme an der Heiligen Messe. Später folgte er seiner Berufung zum Kapuzinerbruder auch wandernd – zwischen der Pfortenstube, der Eingangstüre und dem Altarsakrament im Kapuzinerkloster St. Anna. Einige Tage folgten wir ihm, um die gleichen Orte zu besuchen und unseren Heiligen so besser kennenzulernen.

Nach einer Eucharistiefeier in der guten Stube des Geburtshofes gefolgt von einem gut-bayerischen Weisswurstfrühstück brachen wir von Parzham auf, geführt von Br. Hans Pruckner aus der Provinz Österreich-Südtirol. Drei Tage später erreichten die Brüder erneut Altötting mit 50 km unter heisser Sonne in den Beinen, gefüllt mit den Eindrücken der schönen bayerischen Landschaft und der brüderlichen Erfahrung von Gebeten auf dem Weg (unter anderem in einer Bushaltestelle), Gesprächen, mutmachenden Worten, Pausen, Brotzeiten, Spielen. Zusammen mit der gemeinsam erfahrenen Erschöpfung sollen sie zu einer brüderlichen Verbindung werden, die uns ein Leben lang begleiten werden. Ein ruhiger und besinnlicher Frieden schien die Gruppe zu durchdringen. Wir hatten etwas erreicht und wir hatten es zusammen erreicht.

Zurück in Altötting wurden wir vom Guardian durch den Konvent geführt, in dem Br. Konrad 40 Jahre als Pförtner gelebt und gewirkt hat, früher St. Anna, heute St. Konrad. So hörten wir von Br. Norbert eine Menge über das Leben des Hl. Konrad und die Geschichte der Kapuziner in Bayern. Wir feierten Messe am Grab des Heiligen und konnten dabei mit neuen Einsichten und am Beispiel dieses außergewöhnlichen Laienbruders in tiefer Weise über unsere kapuzinische Berufung nachdenken und beten.

Salzburg.

Am Ende unserer Wallfahrt angelangt begaben wir uns mit müden Füßen nach Salzburg in Österreich. Dort auf den Kapuzinerberg hinaufsteigen zu müssen, war das letzte was sich einige von uns gewünscht hatten, aber wir wurden mit der herrlichen Aussicht über die wunderschöne Stadt Salzburg belohnt.

Drei Tage beschäftigten wir uns in Salzburg mit dem inneren Wachstum des Heiligen Franziskus, dass wir uns in Gruppenaustausch und Einzelbesinnungen anhand des ersten Kapitels der Ratio Formationis erarbeiteten. Der Austausch erforderte Geduld, Aufmerksamkeit und Einfallsreichtum, um die sprachlichen und kulturellen Unterschiede zu überbrücken. Dies wurde uns zur Gelegenheit, von unseren Mitbrüdern etwas über ihre Lebenssituation und Erfahrungen im Ordensleben zu erfahren. Natürlich kamen auch Gebet, Gottesdienst und Rekreation nicht zu kurz, wir hatten sogar die Gelegenheit, in die Biergartentradition Salzburgs einzutauchen.

Im Abschlussgottesdienst der Ausbildungswoche sprach Br. John Peter Vallabadoss, Junioratsleiter der französischen Provinz, über die Hoffnung, die im europäischen Raum lebendig bleibt: 10 mutige Männer, die ihr Bestes geben um ihre Berufung zu finden und zu leben, werden andere inspirieren und ermutigen. Die Hoffnung bleibt. Das traf auf unsere Übereinstimmung: Auch wenn wir noch nicht sehen, wohin uns unser Weg führt, sind wir überzeugt davon, dass er weitergeht. Darauf vertraute der Hl. Franziskus, darauf vertraute der Hl. Konrad und auch in uns, die wir diese Zeit miteinander verbringen durften, wächst dieses Vertrauen.

During the closing Mass of the formation week br John Peter Vallabadoss, post-novitiate director for the Province of France, spoke of the hope that remains in these parts of Europe. That 10 good men trying their best to discover and live out their vocations will encourage and inspire others. Hope remains. This was met with enthusiastic agreement, that although we may not be able to see where this is leading us, we are all convinced that something is happening. St Francis trusted in this, St Conrad trusted in this, and we too, having spent this time together, grow more and more in this trust.

In den Abschied mischte sich die Hoffnung, dass wir uns bald wiedersehen werden. Eine großartige brüderliche Erfahrung endete und jeder von uns machte sich wieder auf seinen Weg.

br Ade Green – Province of Great Britain. 30.Juli 2019
(Übersetzung: Br. Harald Weber, Deutsche Kapuzinerprovinz)

http://www.sgfcap.org/index.php/documenti/178-cenoc-formative-realities-2019