Ordo Fratrum Minorum Capuccinorum

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updated 6:50 PM CET, Jan 24, 2020

27 Monate mit den Opfern des Erdbebens

Am 24. August 2016 in den frühen Morgenstunden hat in Zentralitalien, auf dem Territorium der Diözese Rieti, ein heftiges Erdbeben die Stadt Amatrice und Dörfer in ihrer Umgebung vollständig zerstört. Bereits am Tag darauf haben die Kapuziner beschlossen, den Erdbebengeschädigten zu helfen. Sie reagierten dabei auf eine Anfrage des Bischofs, der die Anregung machte, dass die Kapuziner in den vorläufigen Unterkünften der Geschädigten, für zwei Jahre mit diesen zusammenleben sollten.

Nach 27 Monaten Präsenz haben die Brüder ihr Zusammenwirken mit den Geschädigten beendet. Am 4. November 2018 fand der Abschlussgottesdienst mit dem Bischof von Riet, Domenico Pompili, statt. Aus den vielen Zeugnissen haben wir für euch Leser ein Zeugnis aus den vielen ausgewählt, die die Leute uns gemacht haben: „Am 24. August 2016 wurde das Leben unserer Gemeinde durcheinander gebracht. Es gab solche, die Familienmitglieder verloren haben, oder Freunde, oder das Haus, oder die Arbeit oder einfach alles. Aber das Böse bringt nicht nur Schlechtes hervor, uns hat das schwere Unglück erlaubt, eine neue Familie kennenzulernen, eine ganz besondere Familie, die der Minderen Brüder Kapuziner. Ihr seid die Ersten gewesen, die nach dieser schrecklichen Nacht bei uns angekommen sind. Ihr seid gleichzeitig gekommen mit den Soldaten, den freiwilligen Helfern , den Journalisten und Politikern. Dann haben uns nach und nach alle wieder verlassen und die Lichter auf der Bühne, die uns beleuchteten, erloschen nach und nach. Es war allein das Licht eurer Augen, die unseren Weg auch weiterhin begleitet haben. Jetzt seid ihr die Letzten, die uns verlassen. „Verlassen“ in Anführungs- und Schlusszeichen; denn die menschlichen Beziehungen, die in diesen 27 Monaten zwischen uns gewachsen sind, werden in unseren Herzen lebendig bleiben.

Ihr habt unserer Gemeinde spirituell und materiellen geholfen. Ihr habt Messe gefeiert, Kühe geweidet und gemolken, den Stall gereinigt, den Garten umgestochen, Tomaten geerntet, ihr habt gegessen, getrunken, gesungen, getanzt, mit uns gebetet. Ihr habt mit uns unsere Ängste getragen, auch unsere Freuden. Ihr seid und seid gewesen ein integrierender Teil unseres Lebens.

Wenn ich die Augen schliesse und an euch denke, dann kommt zuvorderst das folgende Bild in den Sinn: Br. Raffael hält in der Hand das Allerheiligste und steckt die Arme zum Himmel hinauf; vor ihm etwa 60 Personen, die in Andacht versunken sind; hinter ihm ragt der Piz di Sevo zum Himmel empor. Ein denkwürdiger Tag; ich habe mich nie so nahe bei Gott gefühlt wie an diesem Tag; vielleicht war auch die Höhe von 1600 Meter schuld daran; noch nie habe ich so hoch oben eine Messe mitgefeiert. Vielleicht war auch die Liebe daran schuld, die man in der Bergluft spüren konnte. Menschen verschiedensten Alters, verschiedener sozialer Herkunft waren im Frieden und in der Liebe Gottes vereint. Nach der Messe haben wir miteinander gegessen, jeder von uns hatte etwas mitgebracht und bot davon auch den anderen an. Ich werde diese Atmosphäre von Herzlichkeit und Sorglosigkeit nie vergessen, auch deswegen nicht, weil man den ganzen Talkessel von Amatrice übersehen konnte  und weil man dort unten die Schutthügel nicht sehen konnte und es den Anschein machte, als ob es den 23. August 2016 nie gegeben hätte.

All das wurde möglich dank euch. Es ist euch gelungen, Menschen zusammen zu führen, die nur wenige Meter nebeneinander gewohnt hatten, aber nichts miteinander zu tun haben wollten. Wenn das kein Wunder ist! Ich ergreife die Gelegenheit und danke dem Bischof Dominik und dem Provinzial Hans-Franz, die das alles ermöglicht haben. Ein besonderer Dank geht an einen jeden von euch Brüdern. Man weiss, dass der Mensch von Natur aus ein Gewohnheitstier ist; wir haben uns an euch gewöhnt… Ihr werdet uns fehlen!

Mit wirklicher Zuneigung , „die ganze Gemeinde“!

Wir laden euch ein, die Reportage anzusehen, die den Einsatz unserer Brüder aufzeigt. Das Video ist in sieben Sprachen mit Untertiteln aufbereitet. Wenn man die Untertitel zuschalten will, muss man rechts klicken und unten auf den Knopf „Untertitel“; gleichzeitig auf die gewünschte Sprache.

Wir laden euch ein, auch die anderen Videos - allerdings nur auf Italienisch - anzuschauen: Zeugnisse und Interviews der Brüder, die hier ihren Dienst geleistet haben, und auch das des Bischofs: Gleichzeitig stellen wir euch zur Verfügung Fotogalerien, die im September 2016 und im November 2017 entstanden sind: M it ihrer Hilfe könnt ihr euch ein Bild der Situation machen.

Video mit den Übersetzungen in sieben Sprachen

Amatrice. Ein Jahr nach dem Erdbeben. Zeugnisse

Videos in italienischer Sprache - Zeugnisse der Brüder und des Bischofs

  1. Orazio Renzetti OFMCap - Zeugnis aus Amatrice
  2. Ugo Maria Brogno OFMCap - Zeugnis aus Amatrice
  3. Mons. Domenico Pompili - Zeugnis aus Amatrice
  4. Maurizio Lenti OFMCap - Zeugnis aus Amatrice
  5. Alberto Cimini OFMCap - Zeugnis aus Amatrice

Fotogalerien

Video - Wenn man die Untertitel zuschalten will, muss man rechts klicken und unten auf den Knopf „Untertitel“; gleichzeitig auf die gewünschte Sprache.

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Letzte Änderung am Dienstag, 08 Januar 2019 11:29