Ordo Fratrum Minorum Capuccinorum

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updated 4:55 PM CET, Dec 9, 2019

40 Jahr Jubiläums der Promulgation der Regel FG

Rundbrief der Konferenz der Generalminister der Ersten Franziskanischen Orden und des regulierten Dritten Ordens an alle Brüder und an die Brüder und Schwestern der Franziskanischen Gemeinschaft (FG) und der Franziskanischen Jugend (JFG) anlässlich des 40 Jahr Jubiläums der Promulgation der Regel FG

 

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Liebe Schwestern, liebe Brüder, der Herr gebe euch den Frieden!

1.    Vierzig Jahre - ein symbolischer Zeitraum

Am 24. Juni 1978 hat der Heilige Stuhl mit dem Apostolischen Schreiben Seraphischer Patriarch die überarbeitete Regel der Franziskanischen Weltgemeinschaft approbiert. Papst Paul VI., der kürzlich heiliggesprochen wurde und der in seiner Jugend Postulant des Dritten Ordens gewesen war, hat der Franziskanischen Familie wenige Wochen vor seinem Tod dieses Geschenk gemacht. Unterdessen sind seit der Approbation vierzig Jahre vergangen. Damit  gibt es uns die Gelegenheit, euch allen zum Jubiläum diesen Brief zu schreiben. In der Bibel ist die Zahl vierzig, wie wir wissen, mit verschiedenen symbolischenr Deutungen befrachtet:Vierzig Jahre zählt eine Generation und es scheint, dass sie auch die Zeit für eine reife Entscheidung bezeichnet. So ergibt sich die günstige Gelegenheit, Gott zu danken für all das, was die Brüder und Schwestern der FG bis jetzt geleistet haben, um einen neuen Aufbruch anzustossen, der sich für die ganze Franziskanische Familie als wertvoll erweisen wird.

2. Die FranziskanischeWeltgemeinschaft im Rahmen der „Franziskanischen Familie

„Der seraphische Patriarch, Franziskus von Assisi, hat während seines Lebens und auch nach seinem Tod viele dazu bewogen, Gott in der religiösen Familie, die er gegründet hat, zu dienen. Er hat aber auch unzählige Laien dazu geführt, dass sie in die von ihm geschaffenen Institutionen eintraten, aber gleichwohl in der Welt blieben, soweit es ihnen möglich war“. So beginnt der Brief der Approbation, der von Papst Paul VI. im Jahr 1978 unterzeichnet wurde. Dabei erinnerte er daran, dass aus der Erfahrung des Heiligen Franziskus verschiedene Weisen christlichen Lebens in der Kirche und in der Nachfolge Christi entstanden sind.

„Unter den geistlichen Familien, die vom Heiligen Geist in der Kirche hervorgebracht worden sind, vereint die Franziskanische Familie alle Glieder des Gottesvolks, Laien, Ordensleute und Priester, die sich dazu berufen fühlen, Christus nachzufolgen auf den Spuren des heiligen Franz von Assisi (Pius XII., 1.7.1956, Rede an Tertiaren I). Auf verschiedene Art und Weisen, aber in lebendiger gegenseitiger Verbundenheit, bemühen sie sich, das Charisma des gemeinsamen Seraphischen Vaters im Leben und in der Sendung der Kirche präsent zu machen (Apostolicam Actuositatem 4,8)“ (Regel FG, Kapitel I, Nummer 1).

Darin erweist sich die Intuition des Franziskus in aller Deutlichkeit als richtig, dass es nämlich möglich ist, Gott in allen Lebensständen zu dienen. Auf diese Weise nimmt er - seiner Zeit weit vorauseilend - das Bewusstsein voraus, dass jeder und jede in der Kirche zur Heiligkeit berufen ist. Das hat das 2. Vatikanische Konzil kraftvoll herausgehoben und Papst Franziskus hat es neulich in seiner Exhortatio Apostolica Gaudete et exsultate (Nr. 10) neu bestätigt. Mit umfassendsten Heilmitteln ausgerüstet, so dass ein jeder in und durch sein Leben vom Herrn gerufen ist zu einer Heiligkeit, deren Vollkommenheit gleich der des himmlischen Vaters ist“ (LG 11). Und tatsächlich: Der Dritte Franziskanische Orden (heute Franziskanische Gemeinschaft genannt) wurde in seiner Geschichte mit zahlreichen Gaben der Heiligkeit beschenkt. Man denke nur an Gestalten wie Angela von Foligno, Brigitta von Schweden, Katharina von Genua, Elisabeth von Ungarn, Gianna Beretta Molla, Johannes Bosco, Johannes XXIII., Joseph Moscati, Ludwig XI., König von Frankreich, Margherita von Cortona, Pius X., Thomas Morus, um nur einige der bekanntesten heiligen Frauen und Männer aufzulisten. Man darf auch an die Letzte in der langen Liste der Heiligen und Seligen denken, Veronica Antal. Sie wurde kürzlich, am 22. September 2018, heilig gesprochen. Mit dieser wunderbaren und variantenreichen Ernte seraphischer Heiligkeit hat der Dritte Franziskanische Orden bewiesen, dass er für die Fülle unseres Charismas unentbehrlich ist.

3. Die Herausforderungen heute und die Sendung der Kirche

Es gibt viele und hoch komplexe Herausforderungen, mit denen die Kirche  heute konfrontiert ist. Aber die Zeit, der Kairos, den wir jetzt gerade erleben, ist eine Zeit besonderer Gnade. In ihr ist es möglich, eine neue „Etappe der Evangelisierung“ zu erfahren, zu der uns Papst Franziskus in seiner apostolischen Exhortatio Evangelii gaudium einlädt: „In allen Getauften, vom ersten bis zum letzten, wirkt die heiligmachende Kraft des Geistes; sie drängt uns dazu zu evangelisieren (….). Kraft der Taufe ist jedes Mitglied des Volkes Gottes ein Jünger , eine Jüngerin, geworden, der/die missioniert (vgl. Mt 28,19). Jeder Getaufte, abgesehen von seiner Aufgabe in der Kirche und dem Stand seines Wissens in Glaubensdingen, ist ein aktives Subjekt der Evangelisierung“ (EG 119-120). Als franziskanische Menschen finden wir uns in einer besonderen Übereinstimmung mit dem Papst, dass wir eine Kirche leben, die aus sich selber hinaustritt und dass wir in dieser Welt voll von Spaltungen, ungerechten Verhältnissen und Leiden an die geographischen und existentiellen Peripherien dieser Welt gehen. Wir sind dazu aufgerufen, unseren Teil zu leisten, damit eine universelle, franziskanische Brüderschaft zu Stande kommt und wir auf dem Feld der Bewahrung der Schöpfung, des Friedens und der Gerechtigkeit uns einsetzen. Dabei sollen wir mit besonderer Aufmerksamkeit auf die Armen und Bedürftigen schauen, wie es schon der heilige Franziskus gehalten hat. Er zeigte „eine besondere Aufmerksamkeit für die Schöpfung Gottes und für die Armen und Randständigen. Bei ihm kann man ablesen, bis zu welchem Punkt die Bewahrung der Natur, Gerechtigkeit für die Armen, der Einsatz für die Gesellschaft und der innere Friede Bereiche ausmachen, die nicht voneinander getrennt werden dürfen.“ (LS 10). Eine derart komplexe und herausfordernde Aufgabe verlangt eine aktive, effiziente Zusammenarbeit und ein sichtbare Gemeinschaft zwischen allen Gliedern der franziskanisichen Familie. In dieser Gemeinschaft scheint besonders dringlich zu sein der Beitrag der Brüder und Schwestern des Franziskanischen Weltordens zu sein.

4. Der gegenseitige Respekt

Die Zusammenarbeit und die Gemeinschaft unter den Mitgliedern der Franziskanischen Familie muss sich mehr denn je bewähren im gegenseitigen

Respekt für den je anderen und in der gegenseitigen Bereicherung aller. „In einer Kirche, die Gemeinschaft ist, sind die Lebensstände so miteinander verbunden, dass der eine auf den anderen verweist. (   ). Es gibt verschiedene, sich ergänzende Modalitäten, wobei jede von ihnen ihre eigene ursprüngliche, nicht verwechselbare Physionomie besitzt und gleichzeitig jede von ihnen sich in Beziehung zu den anderen setzt und in deren Dienst sich einsetzt“ (Johannes Paul II., Christifideles Laici , Nr 55).

Auf der einen Seite hat die Kirche den Brüdern der Ersten Orden und des TOR die geistliche und pastorale Sorge der FG anvertraut. So wie es in der Regel festgehalten wird: „Als konkretes Zeichen der Gemeinschaft und der Mitverantwortung werden die Räte gemäss den Konstitutionen auf den verschiedenen Ebenen um geeignete Ordensleute ersuchen, die für die geistliche Assistenz bestens vorbereitet sindl. Sie werden diese von den Oberen der vier Franziskanischen Orden erbitten; mit ihnen ist ja seit Jahrhunderten die FG verbunden“ (Regel der FG, Kapitel III, Nr. 26).

Auf der anderen Seite sind die Mitglieder der FG gehalten, den Weltcharakter des franziskanischen Charismas zu leben. Das macht ihre Spiritualität und ihr apostolisches Leben aus. Sie sollen ihre spezifische Berufung umfassend leben.

Sie sollen ihrerseits die Berufung der Brüder mit Gebet und Tat unterstützen; mit ihnen teilen sie ja das Charisma, das allen gemeinsam ist.

5. Schluss

Liebe Schwestern, liebe Brüder, im vierzigsten Jahr der Approbation der Regel der Franziskanischen Gemeinschaft laden wir euch alle ein, Gott für das Geschenk der gemeinsamen franziskanischen Berufung zu danken und euren apostolischen Eifer zu erneuern, damit jeder/jede in kreativer Weise seine eigenen Sendung leben kann.

Von unserer Seite flehen wir die Fülle des göttlichen Segens herab. Das geschehe auf die Fürsprache unseres Seraphischen Vaters, des hl. Franziskus, und der seligen Jungfrau Maria, der Königin der franziskanischen Familie.

Br. Roberto Genuin OFMCap
Generalminister
Br. Nicholas Polichnowski TOR
Generalminister
Br. Marco Tasca OFMConv
Generalminister
Br. Michael Anthony Perry OFM
Generalminister

Rom, 23. 12. 2018

Letzte Änderung am Freitag, 25 Januar 2019 11:29