Logo
Diese Seite drucken

Das Heiligtum vom Heiligen Haus in Loreto

Das Heiligtum vom Heiligen Haus in Loreto

Ein außerordentliches Jubiläum für das Jahr 2020

Es sind hundert Jahre, dass die Madonna von Loreto zur Patronin der Luftfahrt erklärt worden ist. Aus diesem Anlass gewährte Papst Franziskus dem Heiligtum von Loreto ein außerordentliches Jubiläum für das Jahr 2020. Das Jubiläum wird eröffnet am 8. Dezember 2019 und schließt am 10. Dezember 2020. Bei dieser Gelegenheit wünschen wir, den Mitbrüdern dieses päpstliche Heiligtum, das von den Minderen Brüdern Kapuzinern betreut wird, näher bekannt zu machen.

Das Heiligtum von Loreto hütet das gemauerte Haus der Gottesmutter, das nach frommer Tradition im Jahr 1294 von Nazareth nach Loreto getragen worden ist. Nach der alten im Volk verbreiteten Überlieferung wurde das Haus von Engeln getragen; aus neueren Studien philologischer und archäologischer Art sowie aus der Bauweise und aus alten Dokumenten ergibt sich, dass das Haus durch menschliche Initiative mit dem Schiff unter dem Schutz der Engel nach Loreto gebracht wurde. Es ist das Haus von Nazareth, wo Maria geboren und mit Joseph verlobt worden ist, wo der Engel Gabriel ihr die Botschaft verkündet und sie in ihrem Schoß den Sohn Gottes empfangen hat. Das Haus birgt also die Erinnerung an das Geheimnis der Menschwerdung.

Das Heilige Haus von Nazareth

In Nazareth bestand die Unterkunft Marias aus zwei Teilen: eine Grotte, bis heute noch in Nazareth gehütet in der Basilika der Verkündigung, und davor liegend ein Haus mit drei Wänden aus Stein, eben das, was nach Loreto transportiert worden ist. Der an der Grotte anliegende Teil hatte keine eigene Wand.

Das Heilige Haus von Loreto

In Loreto wurden die drei Wände des Hauses der Madonna auf eine öffentliche Straße gestellt, die von Recanati zu seinem Hafen führte, ohne eigentliche Fundamente. Es war sofort Gegenstand einer außerordentlichen Obsorge, es zu erhalten, wie es nur einer kostbaren Reliquie zukommt: zuerst, am Ende des XIII. Jahrhunderts, wurde es befestigt mit einem Estrich nach Art eines Fundaments, dann wurde es gestützt mit kleinen Bogen auf der Nordseite und schließlich, zu Beginn des XIV. Jahrhunderts, wurde es der ganzen Länge und Breite nach von einer Mauer mit Backsteinen umgeben, welche „die Recanatesen” genannt werden. Diese Baudaten wurden bei den archäologischen Ausgrabungen im Untergrund des Heiligen Hauses 1962/65 Punkt für Punkt bestätigt.

Das Heiligtum

Das Heiligtum von Loreto ist Ziel internationaler Wallfahrten seit dem XIV. Jahrhundert. Es ist auch ein außerordentlicher “Behälter” von Kunstwerken, so sehr, dass es als das an Kunst reichste Marienheiligtum gilt.

Im Jahr 1469 nahm sich Paul II. den Bau der aktuellen Basilika zu Herzen. An ihrer Verwirklichung arbeiteten die ausgezeichnetsten Architekten der Epoche: Julian von Maiano, Baccio Pontelli, Donato Bramante, Julian von Sangallo, Urheber der Kalotte der Kuppel, Antonio von Sangallo der Jüngere und weitere. Am Ende des XV. Jahrhunderts entstand der angrenzende Apostolische Palast, der in der oberen Sektion von Donato Bramante entworfen wurde. Luigi Vanvitelli verdanken wir den Mitte des XVIII. Jahrhunderts errichteten Kirchturm.

In den letzten zwanzig Jahren des XX. Jahrhunderts fanden aufwendige Umbauarbeiten statt, durchgeführt in zwei Phasen: im Blick auf die 700-Jahr-Feier der Übertragung des Heiligen Hauses (1294-1994/95) und im Blick auf das Große Jubiläum 2000. Von großem Nutzen war die Realisierung der unteren Basilika, die geholfen hat, die unzähligen Pilger richtig zu verteilen.

Nach Loreto strömen jährlich circa dreieinhalb Millionen Pilger und Besucher: die ersten sind angetan vom mystischen Zauber des Hauses von Nazareth, wo Maria Jesus, den Sohn Gottes empfangen hat, und die zweiten sind angezogen vom imponierenden Komplex der Architektur mit den Hauptwerken von Melozzo, Signorelli (Ende des XV. Jh.), Lotto (Mitte des XVI. Jh.), Pomarancio (Beginn des XVII. Jh.) und von den Werken der tüchtigen Maler, die im XVIII. und XIX. Jahrhundert aktiv waren.

Pilger und Besucher kommen aus allen Teilen der Welt. Für sie wurden kleine Stadt- und Kunstführer vorbereitet in zwanzig Sprachen, darunter Japanisch, Koreanisch, Chinesisch und Arabisch, sowie Dvd in elf Sprachen. Die Zeitschrift des Heiligtums - “Bote  des Heiligen Hauses” – erscheint in Italienisch und in Englisch.

In Loreto ist die Mutter Gottes für die Gläubigen die Tür der Barmherzigkeit

Das Heiligtum des Heiligen Hauses von Loreto ist ein privilegierter Anziehungspunkt für das Sakrament der Barmherzigkeit.

Das Zentrum von allem ist das Heilige Haus, wo der Gläubige eingeladen ist, in betendem Schweigen zu verweilen. Hier hat sich die Barmherzigkeit Gott Vaters gezeigt in der Menschwerdung seines Sohnes, der mit seinem Tod und seiner Auferstehung die sündige Kreatur mit dem Vater der Vergebung versöhnt hat.

Papst Johannes Paul II. gab zu verstehen, dass das Heilige Haus das Heiligtum der Versöhnung par excellence ist, als er im «Brief» für die 700-Jahr-Feier (1294-1994) folgendes schrieb: «Das Heilige Haus von Loreto, wo sozusagen noch des Engels Wort “Gegrüßet seist Du, voll der Gnade” erklingt, ist ein privilegierter Ort, nicht nur, um über die Gnade zu meditieren, sondern auch um sie zu empfangen, zu vermehren, sie, wenn verloren, wiederzufinden durch die Sakramente, besonders durch das Sakrament der Versöhnung, das immer eine herausragende Stellung im Leben des Heiligtums genießt».

Während des Angelus-Gebetes am 8. Dezember 1987 hatte derselbe Pontifex gesagt: «Der Gedanke an das demütige Haus, in dem das Fleisch gewordene Wort für einige Jahre lebte, überzeugt den Pilger, dass Gott ihn wirklich liebt wie er ist, ihn ruft, ihm folgt und vergibt, ihn erleuchtet und rettet».

Und er bemerkt: «In Loreto gehen tatsächlich unzählige Pilgerinnen und Pilger Tag für Tag und von der ganzen Welt zur Beichte und Kommunion, und viele bekehren sich zum Glauben, von der Sünde zur Gnade, von der Lauheit und Oberflächlichkeit zum geistlichen Eifer und zum Einsatz in der Tat».

Im Heiligen Haus ruft der Pilger auch Maria an, «die Mutter der Barmherzigkeit», jene, die Jesus geboren hat, «die Mensch gewordene Barmherzigkeit des Vaters».

Das Heiligtum des Heiligen Hauses im Dienst der Familie

Das Heilige Haus von Loreto ist ein Haus Marias und folglich ein Haus jeder Familie.

“Die Menschwerdung des Wortes in einer menschlichen Familie, zu Nazareth, bewegt mit seiner Neuheit die Geschichte der Welt. [...] Wir müssen eintauchen in das Geheimnis der Geburt Jesu, in das Ja Marias bei der Verkündigung des Engels, als das Wort in ihrem Schoß empfangen wurde. […] Das ist das Geheimnis von Weihnachten, das Geheimnis von Nazareth, voll vom Duft und Glanz der Familie!” (Papst Franziskus, Amoris laetitia, 65).

Die Päpstliche Basilika des Heiligen Hauses soll immer mehr ein Ort der Evangelisierung werden, entsprechend dem Wunsch des Heiligen Vaters Franziskus, ausgedrückt im Motu proprio “Sanctuarium in Ecclesia”. Als Ort der ersten Hauskirche der Geschichte hat das Heiligtum von Loreto die Berufung, die Spiritualität der Familie zu fördern im Dienst am gewöhnlichen Leben der Einzelnen wie der christlichen Gemeinschaften, besonders aber der Jugendlichen.

Um diesen pastoralen Dienst auszuüben, entstand zum Wohl der Pilger aller Nationalitäten der Plan einer Familienpastoral. Mit verschiedenen Angeboten möchte er Familien nahe sein, sie in allen möglichen Situationen erreichen und sie menschlich und geistlich begleiten.

Papst Franziskus in Loreto am 25. März 2019

Der Besuch war ein Geschenk für die Stadt Loreto und für alle Walfahrer, die jedes Jahr nach Loreto kommen, um das Heilige Haus zu besuchen. Papst Franziskus hat am Ende der im Heiligen Haus zelebrierten Heiligen Messe das Apostolische Mahnschreiben Christus vivit unterzeichnet, eine Frucht der im Oktober 2018 gehaltenen Synode für die Jugend. Bei jener Gelegenheit hat er dem Heiligtum für die nächsten Jahre einen dreifachen Pastoralplan vorgelegt: Familie, Jugendliche, Kranke.

Für die Familie wurde schon ein Pastoralplan ins Leben gerufen, der Ehepaare begleiten und unterstützen soll in allem, was die Familie im weiten Sinne betrifft.

Für die Jugendlichen wird bald das Zentrum Johannes Paul II. fertig, so dass sich die in Christus vivit geäußerten pastoralen Wünsche erfüllen können, indem man den jungen Menschen hilft bei der Unterscheidung der Geister und in der Berufswahl.

Für die Kranken wurde seit jeher etwas getan durch die Herbergen für Pilger, durch die Organisationen der Unitalsi, der Oftal und der Ual. Darüber hinaus wurde zu Ehren von Kardinal Capovilla eine Gesundheitsabteilung eingeweiht für seltene Krankheiten und für Kindermedizin. Dies nicht nur, um Kranken beizustehen, sondern auch um Ärzte und Pflegepersonal weiterzubilden mit einem Master der Spezialisierung, der von der Universität “La Bicocca” in Mailand gesponsert wird.

Das lauretanische Jubiläum 2019/2020

Anlässlich der Jahrhundertfeier der Erhebung der Madonna von Loreto zur Patronin der Luftfahrer und Piloten (24. März 1920 durch Papst Benedikt XV.) hat Papst Franziskus Loreto ein außerordentliches Jubiläum gewährt für das Jahr 2020. Es wird am 8. Dezember 2019 eröffnet und schließt am 10. Dezember 2020. Kardinal Pietro Parolin, der Staatssekretär, wird die Heilige Pforte öffnen.

Einzige Jubiläumskirche wird die Basilika des Heiligen Hauses in Loreto sein. Das ist wahrlich ein außerordentliches Ereignis, noch nie dagewesen, ungeheuer wichtig für das Lauretanische Heiligtum, das somit ins Zentrum der katholischen Welt rückt als Ort der Gnade, der Barmherzigkeit, der Umkehr und des Friedens.

Nachdem sich am 8. September das Ehrenkomitee gebildet hat, ist man nun dabei, den Kalender für die Feste und Wallfahrten zu erstellen, ferner einen geistlichen Führer, um dem Pilger auf seinem Weg zu helfen. Weitere pastorale Initiativen sollen anregen, das Jubiläum gläubig und andächtig zu begehen. Es zeichnet sich ein Jahr der Gnade ab, das aber auch von unserer Seite Bereitschaft und Einsatz verlangt. Wir sind gerufen, das Beste von uns zu geben zur Ehre Gottes und seiner und unserer Mutter, der Jungfrau Maria.

Ein Privileg und eine Herausforderung für die Kapuziner

Die Kapuziner waren seit Beginn der Reform mit verschiedenen Aufgaben in Loreto präsent. Zu den einzigen Hütern des Heiligtums des Heiligen Hauses wurden sie 1934 auf Wunsch von Papst Pius XI. Er trug die Hut dem Orden an, der sie wiederum der Provinz der Marken (Provincia Picena) anvertraute. Brüder dieser Provinz haben mit bewundernswerter Hingabe die delikate und wertvolle Aufgabe erfüllt, indem sie dem Heiligtum dienten sowie den Kult und die Verehrung des Heiligen Hauses förderten und verbreiteten.

Im Verlauf der letzten Jahre traten verschiedene Schwierigkeiten auf. Da die Zahl der Ordensberufungen abnahm, stellte sich die Frage, ob eine einzige Provinz die ganze Last tragen könne. So ging mit Dekret vom 25. März 2015, ausgestellt vom damaligen Generalminister Mauro Jöhri, die Brüdergemeinschaft von Loreto in die direkte Abhängigkeit vom Generalminister über und wurde eine Gemeinschaft des Generalats.

Heute sind wir eine wahrhaft internationale Gemeinschaft von Brüdern aus 17 Ordensbezirken und aus 10 verschiedenen Nationen. Das ist eine Herausforderung für uns. Sie verlangt, dass wir uns täglich den Verschiedenheiten stellen und sie in Gelegenheiten verwandeln, in der wahren Einheit und in der Gemeinschaft zu wachsen.

In Loreto beim Heiligen Haus zu leben, ist ein Geschenk und ein Privileg. Es lädt alle ein zum Zeugnis, zur Brüderlichkeit und zur Freude, Brüder zu sein. Es ist eine Gnade, die auch die echte Möglichkeit einer Berufepastoral birgt an bedeutungsvollem Ort.

Br. Franco Carollo OFMCap
Guardian der Gemeinschaft, Kustos des Heiligtums

Sieh dir das Video an:

Schau die Foto-Gallerie an:

Letzte Änderung am Donnerstag, 28 November 2019 09:44
Copyright: Curia Generalis Fratrum Minorum Capuccinorum
Via Piemonte, 70 - 00187 Roma, Italia, tel. +39 06 42 01 17 10 / +39 335 1641820, ofmcap.org - 1528 - 2019 webmaster