Ordo Fratrum Minorum Capuccinorum

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updated 3:58 PM UTC, Jun 29, 2022

Mons. Francesco Saverio Toppi

Mons. Francesco Saverio Toppi OFMCap, Ehrwürdig

In kürzester Zeit, in weniger als neun Jahren, seitdem am 4. Juni 2013 der Brief abgeschickt wurde mit der Bitte, in der Diözese eine Umfrage zu beginnen sowie Zeugenaussagen und andere Dokumente bezüglich des Prälaten zu sammeln, bis zum 20. Januar 2022, als mit Billigung des Heiligen Vaters Franziskus das Dekret über das Tugendleben des Mons. Francesco Saverio Toppi veröffentlicht worden ist, hat der Kapuziner und Erzbischof von Pompei, einen entscheidenden Schritt gemacht auf dem kanonischen Weg zur Selig- und Heiligsprechung.

Das Dekret bezeugt, dass Mons. Toppi auf heroische Weise die theologischen und Kardinal-Tugenden wie auch jene seines Ordens-, Priester- und Bischofsstandes gelebt hat. Zur gleichen Zeit wird ihm der Titel “Ehrwürdiger“ verliehen.

Das Dekret super virtutibus öffnet darüber hinaus den Weg, ein außerordentliches das heißt wissenschaftlich nicht erklärbares Ereignis oder einfacher gesagt, ein Wunder vorzulegen, das seiner Fürsprache zugeschrieben wird. Wenn die diesbezüglichen Beweise und die entsprechenden Umfragen in der Diözese gesammelt sind, wird die Kongregation für die Heiligsprechungen den Fall durch in dieser Materie erfahrene Experten prüfen. Wenn man am Ende des vorgesehenen Weges zu der erklärten Erkenntnis kommt, dass der vorgelegte Fall wissenschaftlich nicht erklärbar, sondern der Fürsprache des Ehrwürdigen zuzuschreiben ist, wird man zum Ritus der Seligsprechung schreiten.

Ein Wunder gibt es bis heute noch nicht, oder besser, wir wissen noch nichts davon, aber es könnte durchaus schon unterwegs sein!

Mons Fracesco saverio ToppiBiographische Hinweise

Mons. Franz Xaver Toppi war Erzbischof von Pompei und strahle bis zum letzten Tag seiner Existenz die Freude aus, Christ zu sein. Seine Persönlichkeit, sein immer willkommen heißendes Lächeln, seine Treue zum gekreuzigten und auferstandenen Christus, seine totale und bedingungslose Liebe zu Maria, zur Kirche und für die Armen standen dauernd im Zentrum seiner Menschlichkeit und seiner priesterlichen Berufung. Und in der Tat, Mons. Toppi spürte vom frühesten Kindesalter an den Wunsch in sich, sich ganz dem Herrn Jesus Christus hinzugeben.

Geboren ist er in Brusciano, einem ländlichen Dorf in der Provinz Neapel, am 26. Juni 1925. Seine Familie aus landwirtschaftlicher Tradition ist gesund und stark im Glauben; er verlebt seine Kindheit so lebhaft, dass er von seinen Geschwistern zwar geliebt wird, ihnen aber auch Sorgen macht, weil er Streiche spielt und Schurkereien unternimmt. Der überschäumende Charakter und der lebhafte Verstand im Kindesalter wirken wie drohende Minen in der geordneten Welt der Erwachsenen. Glänzend in der Schule, bringt er schon während der Vorbereitung auf die erste heilige Kommunion zum Ausdruck, dass er “Mönch” werden will.

Es handelte sich damals durchaus um eine Entscheidung, auch wenn die Familienangehörigen, die seine Schrullen kannten und ihn für unberechenbar hielten, ihn nicht ernst nahmen: "Vincenzo Mönch? Das ist nicht möglich!”.

Trotzdem, am 19. Oktober 1936 wird er in das Seraphische Seminar Sant'Agnello in Sorrento aufgenommen; 1940 beendet er die Gymnasialstudien im bischöflichen Seminar von Pozzuoli und tritt ins Noviziat der Kapuziner ein. Am 4. Oktober 1941 legt er die Zeitliche Profess ab. Die weiteren Studien vollbringt er zwischen Avellino und Nola, wo er von 1944 bis 1948 die theologischen Studien vollendet. Am 7. Juli 1946 legt er die Ewige Profess ab und empfängt am 29. Juni 1948 die Priesterweihe in Nola.

Er wird zum Weiterstudium an die Universität Gregoriana in Rom geschickt, wo er sich den Doktorgrad in Kirchengeschichte erwirbt, dem Fach, das er gleich danach in Neapel im Konvent von Sant'Eframo Vecchio lehrt. Seine Menschlichkeit, die ihn schon als Kind bei allen beliebt sein ließ, ist wunderbar gereift. Der Überschwang, der sich in frechen Scherzen geäußert hatte, wurde in die Furche des Glaubens und der Kultur hineingeleitet.

Gebildet, intellektuell und fleißig, macht er auch das Diplom in der Bibliotheks- und Archivkunde an der Scuola Vaticana. Der Orden vertraut ihm Posten an, wo er Verantwortung und Autorität ausüben kann und muss. Er nimmt sie in purem Gehorsam an und engagiert sich mit großer Demut. Bei allem ist er in Christus verliebt, die Meister-Straße, um das Geheimnis der hl. Dreifaltigkeit kennen zu lernen. Auf ihn bezieht er, was er denkt, spricht und tut.

Das Geheimnis der Eucharistie zu feiern, wird für ihn bis zum letzten Tag das wunderbare tägliche Geschenk, das Gott in seine Hände legt und das ihn zittern lässt. Er ist manchmal so vom Mysterium ergriffen und in die Betrachtung vertieft, dass er die Messfeier etwas zu lange hinauszieht. Darum gebeten, etwas kürzer zu werden in der Zeit, gehorcht er und sieht in dem Verzicht eine Korrektur seines Egoismus.

Da er auch sehr oft das Sakrament der Versöhnung spendete, erlebte man, wie er gleichsam vom Herrn aufgesogen war, so dass er gar nicht merkte, was und wie er sprach. Gegenüber diesen Phänomenen war es sein größtes Leiden, dass er Angst hatte, er könne sich und vor allem die ihm anvertrauten Seelen täuschen. Er berät sich mit einigen Seelenführern und Meistern der Spiritualität: Don Dolindo Ruotolo beruhigt ihn mit den Worten, dass dies ein Werk Gottes sei, der ihn ihm wirke. Die Zusicherung, dass er im Willen Gottes stehe, kommt ihm auch vom Jesuitenpater Cappello, von Mons. Pasquale Mazzone, von Pater Nicolaus Assouad und Pater Joseph Galasso. Alle antworten auf die gleiche Art: “Bleib´ ruhig... Denk daran, Jesus zu lieben und sorg dich um nichts”, “Dahinter ist der Finger Gottes”, “Du kannst dich nicht widersetzen ”, “Lass den Herrn wirken. ” Im Frühjahr 1956 trifft sich Padre Francesco mit Padre Pio in San Giovanni Rotondo; von ihm hört er die gleichen beruhigenden Zusicherungen wie von den anderen Patres. Der bekannte Pater von Pietrelcina will ihn als geistlichen Sohn haben: So folgen noch weitere erleuchtende Begegnungen.

P. Franz Xaver Toppi ist Provinzoberer der Minderen Brüder Kapuziner von Neapel von 1959 bis 1968. In der Ausübung des Amtes als Provinzial begibt er sich auch mehrmals nach Lateinamerika und Afrika. In Brasilien eröffnet er eine Mission, die heute eine Provinz ist, im Süden des Staates von Bahia.

Nachdem er in Neapel Provinzial seiner Provinz war, wurde er 1971 zum Provinzialminister der Provinz Palermo ernannt, die sich wegen interner Schwierigkeiten in einer Krise befand. Er blieb dort Provinzial bis 1976. Unter dem Einsatz seines Lebens gelang es ihm mit Gebet, Sanftmut und Demut die Kapuzinergemeinschaft zur Eintracht und Einheit zurückzuführen. Danach kehrt er ins Schweigen zurück, wird gleichsam anonym, Bruder unter Brüdern, ohne jemals das Lächeln zu verlieren, das ihn kennzeichnet. Es war Ausdruck seiner tiefen Spiritualität und seines Bemühens, sich zu reinigen und ein leuchtender Spiegel Gottes zu sein. Das spürten alle, denen er begegnete. Wichtige und nachhaltige Begegnungen hatte er mit Chiara Lubich, deren Ideal der Einheit die Spiritualität von P. Francesco Saverio tief prägte, mit Silvestra Tirri, Mons. Aurelio Signora, Elisa Springer, Anna Maria Cànopi, mit den Dienerinnen Gottes Nina Lolli und Nina Lanza. Mit all diesen bildete er eine fruchtbare geistliche Gemeinschaft. Noch 1976 wurde er zum Generaldefinitor gewählt und diente ab da auf vielfältige Weise der Generalkurie.

Es ist der 13. Oktober 1990, als Papst Johannes Paul II. ihn zum Erzbischof und Prälaten von Pompei ernennt und zum Päpstlichen Delegaten für das marianische Heiligtum. Die Bischofsweihe empfängt er von seiner Emminenz, dem Kardinal Michele Giordano, Erzbischof von Neapel, am 7. Dezember 1990 in Pompei. Die Freude, sich in einem marianischen Heiligtum zu befinden, und die rechte Furcht vor der erhaltenen Aufgabe, begleiten ihn zum Ziel. Er präsentiert sich zur vereinbarten Bischofsweihe ohne jedes äußere Zeichen von Reichtum oder Macht, im einfachen Kapuzinerhabit.

Er setzt seinen einfachen Lebensstil als “frate” Francesco Saverio auch als “Bischof” Francesco Saverio fort.

Im Jubiläumsjahr 2000 reicht der Kapuzinerbischof, in Übereinstimmung mit dem Kanon 401 § 1 des CIC, seinen Rücktritt von der Leitung der Prälatur von Pompei ein, ein Verzicht, der vom Heiligen Vater am 17. Februar 2001 angenommen wird.

Liest man seine Schriften und hört die Menschen, die ihn kannten, so findet man als einmütiges Zeugnis einen Mann voll des Heiligen Geistes, dem es in seiner Existenz darauf ankam, in seinem Leben Jesus Platz zu machen, um von ihm zu lernen, auf die Wirklichkeit zu schauen mit den Augen des Vaters.

Sein dies natalis, sein Geburtstag zum Himmel, ist der 7. April 2007. Nach seinem Willen wird er in der Krypta des Heiligtums der Seligen Jungfrau von Pompei begraben, um, wie er sagte, „als unterirdischer Sockel am Thron Marias zu dienen“.

Br. Carlo Calloni, OFMCap
Generalpostulator     

Letzte Änderung am Dienstag, 01 Februar 2022 23:54