Ordo Fratrum Minorum Capuccinorum

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updated 9:54 AM CEST, Mar 31, 2020

Drei neue Märtyrer und ein Verehrungswürdiger

Am 23. Januar 2020 empfing der Heilige Vater den Kardinal Angelo Becciu, Präfekt der Kon-gregation für die Heiligsprechungen, und unterzeichnete das Dekret super martyrio (über das Martyrium) von drei Kapuzinern der Provinz Katalonien: Benedikt von Santa Coloma de Gra-menet, Joseph Oriol von Barcelona und Dominik von Sant Pere de Ruidebitllets, sowie das Dekret super virtutibus (über die Tugenden) von Maria Antonius von Lavaur, Professpriester der Provinz Frankreich.

Benedikt von Santa Coloma de Gramenet, Joseph Oriol von Barcelona und Dominik von Sant Pere de Ruidebitllets

Nach dem 18. Juli 1936 nahm in Manresa in Katalonien die Verfolgung der Priester, Ordens-leute und Laien ihren grausamen Anfang. Vier Tage später, am 22. Juli 1936, wurde der Kon-vent der drei Diener Gottes von marxistischen und anarchischen Milizen besetzt, verwüstet und angezündet. Die drei Diener Gottes waren gezwungen, bei Verwandten und Freunden Zu-flucht zu suchen. An unterschiedlichen Tagen jener Zeit, aber unter ähnlichen Umständen wurden sie aufgesucht, gefoltert und ohne jeglichen Prozess hingerichtet.

BenetDer Diener Gottes Benedikt (in der Welt: Joseph Domènech i Bonet) wurde am 6. September 1892 in dem Dorf Santa Coloma de Gramenet in eine einfache und tiefgläubige katholische  Familie geboren. Am 11. September 1892 getauft, ging er am 30. Mai 1903 zur ersten hl. Kommunion. Bald danach spürte er die Berufung zum Priestertum und trat in das Kleine Se-minar von Barcelona ein. Nach einigen Jahren klärte sich seine Berufung als ein Ruf zum Or-densleben, weshalb er am 18. Februar 1909 ins Noviziat der Provinz Barcelona in Arenys de Mar eintrat und am 20. Februar 1910 die erste Profess ablegte. Feierlich versprach er im Kon-vent von Sarriá (bei Barcelona) die Gelübde am 23. Februar 1913 und wurde am 29. Mai 1915 zum Priester geweiht.

Sein Ordensleben spielte sich im Umfeld der beiden Ausbildungshäuser von Igualada und Manresa ab. Darüber hinaus widmete er sich dem Predigtdienst. Am 6. August 1936 wurde er von Milizen festgenommen. Sie wollten ihn zum Fluchen bringen, doch er weigerte sich. Sie brachten ihn an einen Ort außerhalb Manresa, genannt La Culla, und erschossen ihn.

OriolDer Diener Gottes Joseph Oriol von Barcelona (in der Welt: Jaume Barjau Martì) wurde am 25. Juli 1891 in Barcelona geboren. Die wohlhabende Familie war sehr christlich. Er empfing die Taufe am 28. Juli 1891 und die Firmung am 7. Juni 1892. Die erste hl. Kommunion empfing er mit neun Jahren. Auf Initiative seines Bruders trat er ins Seminar von Barcelona ein, be-stand aber nicht die Examen des ersten Jahres. Darum versuchte er, einen Beruf zu lernen. Er fühlte sich vom Kapuzinerleben angezogen und trat daher am 21. Oktober 1906 ins Noviziat ein. Auch den Studien oblag er in den entsprechenden Häusern. Die feierliche Profess legte er am 15. August 1911 ab und wurde am 29. Mai 1915 zum Priester geweiht. Er lehrte Liturgie, Hebräisch und Kirchengeschichte im Hausstudium von Sarriá. Im Jahr 1925 wechselte er zum Konvent von Manresa, wo er sich hauptsächlich der Predigt widmete, Beichte hörte und Men-schen geistlich begleitete.

Während er am 24. Juli 1936 einer Klarissenschwester die hl. Kommunion brachte, wurde er von Milizen erkannt und festgenommen. Noch am selben Abend wurde er nach außerhalb von Manresa gezerrt und mit wenigen Pistolenschüssen erledigt.

DomenecDer Diener Gottes Dominik von Sant Pere de Ruidebitllets (in der Welt: Johann Romeu Ca-nadell) wurde am 11. Dezember 1882 in eine Bauernfamilie geboren. Die Taufe empfing er am 17. Dezember und wurde am 23. Juli 1883 gefirmt. Er besuchte die örtliche Volksschule, doch der Pfarrer erkannte in ihm die Keime der Berufung, weswegen er ihn auf den Eintritt ins Se-minar von Barcelona vorbereitete. Dort 1897 eingetreten, absolvierte er erfolgreich die philo-sophisch-theologischen Studien und wurde am 25. Mai 1907 zum Priester geweiht. Doch zog ihn das franziskanische Ordensleben an und am 3. Oktober des folgenden Jahres trat er ins Noviziat der Kapuziner ein. Die einfache Profess legte er am 4. Oktober 1909 und die feierli-che am 4. Otober 1912 ab. Schon Priester, widmete er sich während der Grundausbildung zum Kapuzinerleben mit Erfolg der Predigt und dem Beichtdienst. 1913 ging er als Missionar nach Costa Rica und Nicaragua und kehrte 1930 wieder nach Katalonien zurück. Er wurde zu-nächst dem Konvent von Sarriá zugewiesen, dann dem von Arenys de Mar und schließlich dem von Manresa.

In der Nacht vom 27. auf den 28. Juli 1936, während er zur größeren Sicherheit von einem Ort zum anderen umzog, wurde er verhaftet, geschlagen und gefoltert und schließlich etwas au-ßerhalb von Manresa mit einer Feuerwaffe erschossen.

Das starke und bezeichnende Glaubenszeugnis der Diener Gottes Benedikt, Joseph und Do-minik kann auch heute der Kirche und der Welt sagen, wie sehr sie die Verkündigung des Evangeliums nötig hat. Die Evangelisierung kann und muss auch die schwierigsten und kom-pliziertesten Realitäten erreichen. Es war die Treue zum Evangelium Christi und zum eigenen Stand als Gottgeweihte, welche die drei Diener Gottes dazu brachten, jener Same zu werden, der in die Erde fällt und viele Frucht bringt. Sie waren fähig, Licht der Welt zu sein und Salz der Erde.

Marie Antoine von Lavaur

LavaurMann eines starken Glaubens und voll Erbarmen, bemühte sich Bruder Antonius Maria von Lavaur sein Leben lang, die Botschaft des Evangeliums ins Frankreich des XIX. Jahrhunderts zu bringen, das gekennzeichnet war von einer antichristlichen Politik.

Sein Lebenszeugnis ist und bleibt ein Beispiel bedingungsloser Hingabe zum Wohl derer, die er traf, eine Hingabe, die unterstützt wurde vom Mut, jeden nur möglichen Weg einzuschla-gen, um allen die Güte Gottes zu verkünden und jene zu unterstützen, die in Armut, Elend oder Krankheit lebten. Als treuer Sohn des hl. Franziskus von Assisi, machte sich der Diener Gottes arm unter den Armen, und wie die ersten Kapuziner war er im Stande, jenen beizustehen, die an ansteckenden Krankheiten litten, ohne sich um die drohende Gefahr zu kümmern.

Die apostolische und pastorale Aktivität des Dieners Gottes entsprang einem tiefen Innenle-ben, das geprägt war von einer starken Marienverehrung, wie sie in Lourdes gelebt und ge-pflegt wird. Sie hatte, der Wirklichkeit seiner Zeit entsprechend, zum Ziel, das christliche Le-ben zu stärken, den Armen beizustehen und Berufungen zu wecken.

Sein Sprechen von Gott mit Inbrunst und Kraft führte dazu, dass er häufig zum Predigen geru-fen wurde. Seine starken Ausdrücke lassen seinen ganzen Eifer durchklingen für die Ehre Got-tes und das Heil der Seelen. Solcher Eifer kann für die Kirche des dritten Jahrtausends eine Ermutigung sein, großzügig die Neuevangelisierung anzugehen, um die Frohe Botschaft an die lokalen und existentiellen Peripherien zu bringen.

Der Diener Gottes Antonius Maria von Lavaur wurde am 23. Dezember 1825 in Lavaur gebo-ren, einer Stadt im Gebiet von Tarn in Südfrankreich. Seine Familie war tief christlich. Getauft wurde er am selben Tag auf die Namen François Auguste Léon. Nach der Grundschule wurde er 1836 von den Eltern ins Kleine Seminar von Toulouse geschickt, wo er die erste hl. Kom-munion feierte und drei Jahre später, am 22. Mai 1840, die Kleriker-Tonsur erhielt. Zusam-men mit den Mitschülern im Seminar gründete er die Vereinigung der Kleinen Savoiarden und dann die Vereinigung der Kleinen Berufe. Nach Abschluss der Studien in Philosophie und Theologie wurde er am 21. September 1850 zum Priester geweiht. Am Tag danach feierte er die erste Heilige Messe in der Hauptkirche seiner Geburtsstadt Lavaur.

In dieser Ausbildungszeit wurde er auch zum Meister im Kleinen Seminar ernannt. In diesem Amt ließ er sich von drei Prinzipien leiten: «Demut, Vertrauen, Liebe». Seine Jugendjahre wa-ren geprägt von den Ereignissen der Revolution im Februar 1848, bei der Frankreich eine starke politische und sozio-ökonomische Krise durchmachte.

Seinen priesterlichen Dienst begann er in der Diözese Toulouse als Pfarrvikar von Sankt Gau-dentius, im Department der Haute-Garonne. Dazu kam noch die Pastoral in der Pfarrei von Villeneuve sowie in Valentine. In dieser Zeit machte er sich zum Förderer verschiedener Ver-einigungen wie die Assoziation der Söhne Marias, die Sankt Vincenz-Konferenz, die Assozia-tion für die Jugend, und zeigte so seinen missionarischen Geist.

Erst ab 1853 reifte im Diener Gottes die Berufung für den Kapuzinerorden, vor allem als er sich Personen gegenüber sah, die von einer schweren Choleraepidemie getroffen waren im Pfarrgebiet von Saint-Gaudens. Als seine Überlegungen zur Überzeugung herangereift waren, dass dies sein Weg ist, reiste er am 27. Mai 1855 zum Kapuzinernoviziat in Marseille, wo er am Antoniustag 13. Juni desselben Jahres eingekleidet wurde und den Namen Antonius Maria wählte. Die Ordensprofess legte er am 13. Juni 1856 ab.

Im folgenden Jahr wurde der Diener Gottes von den Oberen nach Toulouse geschickt, um ein neues Kapuzinerkloster zu bauen an Stelle des vorhergehenden, das im 16. Jahrhundert ge-baut worden war und 1792 in Folge der gegen die Orden gerichteten Politik der französischen Revolution vom Staat aufgehoben wurde. Dank der Hilfe der Bevölkerung aus der Stadt war P. Antonius Maria im Stande, mit dem Bau rasch voranzukommen. So wurde am 18. Juli 1861 die Kirche eingeweiht; sie ist dem heiligen Ludwig von Toulouse (Luis de Anjou, 1274-1297), dem jungen Franziskanerbischof, geweiht, der 1317 von Johannes XXII. heilig gesprochen worden ist. In der Zeit, da Antonius Maria sich mit allen Kräften dem Klosterbau widmete, lernte er in Lourdes die heilige Bernadette Soubirous kennen, zwischen der siebzehnten und achtzehnten Erscheinung der Madonna.

Der Diener Gottes pflegte eine bewundernswerte Marienverehrung: 1863 organisierte er zum ersten Mal die heute so bekannte Lichterprozession, die «procession aux flambeaux»; er un-ternahm weitere wichtige Initiativen, so etwa die Prozession mit dem Allerheiligsten und ab 1866 das nächtliche Gebet in der Grotte. Seine unermüdliche Andacht zur Muttergottes und seine Liebe zu Lourdes ließen ihn weitere Aktionen unternehmen wie die Errichtung des Je-rusalem-Kreuzes, 1866 des Kreuzweges, dann den Kalvarienberg und 1887 die Grotten von Espélugues, die der Schmerzhaften Mutter und der heiligen Maria Magdalena geweiht sind. Er baute noch weitere marianische Heiligtümer, zum Beispiel das Heiligtum von Pech.

Obwohl er fast immer an Marienwallfahrten beteiligt war, unterließ es der Diener Gottes doch nicht, apostolisch tätig zu sein bei unzähligen Volksmissionen in Frankreich und auch in an-deren Ländern. Um die Armen kümmerte er sich rührig, sorgte für ihr geistliches und materi-elles Wohl, indem er ihnen zum Beispiel eine tägliche Mahlzeit an der Klosterpforte in Toulouse garantierte und den Grundstein legte für das Werk “Antoniusbrot für die Armen”, das ihn überdauerte und bis in die jüngste Zeit bestand. Er reorganisierte und förderte die Fürsorge für den Franziskanischen Dritten Orden und war ein großer Förderer anderer pas-toraler Initiativen auf verschiedenen nationalen Kongressen des Ordens, wie jenem zu Limo-ges 1895 und jenem zu Toulouse 1897.

Antonius Maria unternahm auch viele religiöse Reisen, die der eigenen Fortbildung und Ver-tiefung der Berufung dienten. Er begab sich 1862 nach Rom zur Heiligsprechung der japani-schen Märtyrer und 1867 zur Heiligsprechung der heiligen Germana; 1882 beteiligte er sich an der ersten Pilgerfahrt ins Heilige Land, was sich dann in seinem Leben noch öfter wieder-holen sollte; 1893 begab er sich nach Padua zum Grab des heiligen Antonius und im Heiligen Jahr 1900 nahm er in Rom am Internationalen Kongress des Dritten Ordens teil.

Sein Leben kannte auch besonders schwierige Momente wie zum Beispiel die Zeit nach dem französisch-preußischen Krieg 1870-1871, in dem sich eine Politik gegen den Weltklerus und die Orden austobte, was auch die Kapuziner hart getroffen hat. Ferner litt P. Antonius Maria sehr unter der antiklerikalen Politik Frankreichs, welche die “Entchristlichung” der Gesell-schaft zum Ziel hatte und seine missionarischen Werke stark behinderte. Trotz alledem ge-lang es dem Diener Gottes, mit Hilfe der Bevölkerung und dank auch seiner Zähigkeit, die Aufhebung des von ihm gegründeten Kapuzinerklosters in Toulouse zu verhindern.

Anfang Februar 1907, schon 82 Jahre alt, erlitt der Diener Gottes einen physischen Zusam-menbruch in Folge einer starken Erkältung, die er sich zugezogen hatte, als er frühmorgens ausging, um einem kranken Priester die Beichte abzunehmen. Am 4. Februar zelebrierte er seine letzte Messe; zwei Tage später beichtete er und empfing die Krankensalbung. Viele Menschen erschienen an seinem Krankenbett, um sich zu verabschieden. Um 5 Uhr am Mor-gen des 8. Februar 1907 entschlief er sanft im Herrn.

Letzte Änderung am Mittwoch, 29 Januar 2020 09:02